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Goldschmiedekurs in Heiden

Bei einem Goldschmiede-Seminar in der Werkstatt von Daniela Blachowski in Lage-Heiden dabei sein und die Frauen vom ersten Kennenlernen über den Entwurf bis hin zur Fertigstellung ihrer wunderschönen, ganz einzigartigen Schmuckstücke begleiten zu dürfen, hat mir große Freude bereitet.

Für weniger als 100 Euro (inklusive des zu verarbeitenden Silbers und eines köstlichen 3-Gänge-Menüs) führt die gelernte Goldschmiedin mit viel Geschmack, großer Ruhe und Warmherzigkeit Menschen in ihre Kunst und ihr Handwerk ein. Auch Trauringe kann, wer möchte, hier selbst schmieden.

Aufgrund der großen Nachfrage lohnt es sich, sich frühzeitig nach einem der etwa drei mal pro Woche stattfindenden Kurse anzumelden.

Absolut empfehlenswert und bereichernd!

www.heiden-schmuck.de

Kostbare Kleinodien aus eigener Hand

Samstag, zehn Uhr morgens in Heiden. Dampfender, duftender Tee steht in zarten Porzellanbechern auf dem Tisch aus alten Eichenbohlen vor fünf erwartungsvollen Frauen, die heute in der Goldschmiede von Daniela Blachowski in Heiden ihren eigenen Schmuck entwerfen und anfertigen werden.

Exponate als Beispiele des MöglichenRita bekam den Schmuckseminartag geschenkt, Christiane war bereits im vergangenen Jahr hier. Sie trägt den breiten, rund gewölbten Silberring mit oval gefasstem Ebenholz vom Vorjahr auch heute mit Stolz, er ist wunderschön. Das fanden auch Petra, Britta und Viola, die sich wöchentlich mit ihr beim Sport treffen und die gemeinsam mit Violas Tochter Jabeena nun ihren eigenen Schmuck fertigen möchten.
Mutter und Tochter brachten aus dem Afrika-Urlaub zwei geschliffene ovale Steine in einem warmen Cognac-Farbton mit, die für Viola Reif und Fassung in Silber und für Jabeena in Gold bekommen sollen.
Petra und Christiane entscheiden sich für einen breiten, doppelt gelegten Ring, bei dem beide Oberflächen unterschiedlich bearbeitet und durch die Aufwölbung des unteren Randes verbunden sind. Britta und Rita gefällt ein breiter Ring am besten, dessen leicht nach außen gewölbter Rand einen schmaleren, beweglichen Ring jeweils aus Gold oder Silber hält.
Mit Musterringen nehmen sie knappes Maß. Mit Metall gearbeitet hat, bis auf Christiane, noch keine von ihnen. Und nun wollen sie solch kostbare Unikate herstellen.

ZufriedenAngeleitet werden sie dabei von Daniela Blachowsky, gelernter Goldschmiedin, die vor zehn Jahren mit ihrer Familie aus Detmold nach Heiden zog. Um nicht immer in ihrer Werkstatt, die ein wenig wie aus einer anderen Zeit anmutet, allein arbeiten zu müssen, lädt sie etwa drei mal in der Woche Menschen zu sich ein, schiedet Pläne und Schmuck, bewirtet ihre Gäste mit Tee und köstlichem Drei-Gänge-Menü in ihrem Haus und das Silber für die Ringe ist auch noch in der Kursgebühr von nicht einmal 100 Euro enthalten. Auch Trauringe kann, wer möchte, hier selbst anfertigen. Gold kostet dem Goldpreis entsprechend mehr.
Wer an einem solchen Kurs interessiert ist, sollte lange im Voraus planen, die Kurse sind auf Monate hinaus ausgebucht.

Die FleißigenNachdem die Entwürfe klar sind, geht es über den Flur in die Werkstatt, die erst einmal so aussieht, als könne sie gar keine sechs bis sieben Menschen aufnehmen. Doch in den folgenden Stunden wird hier konzentriert gearbeitet und die Werkstatt wirkt mit einem Male größer, als sie eigentlich ist.

schmelzgut_silber_und_kupfer_goldschmiede_heiden_saaboDem Silber wird Kupfer hinzugefügt, um es geschmeidiger zu machen, bevor es bei rund
1000° C eingeschmolzen wird. Für Mutter und Tochter gießt Daniela Gold und Silber zu matten Stangen, für die Übrigen zu kleinen, blasigen, spröde wirkenden Barren, die erst in der Walze, durch die sie wieder und wieder mit enger gezogener Schraube unter Kraftaufwand gleichmäßig hindurch gezogen werden, nach und nach die Form eines breiten, glatten Metallbandes annehmen.
Heiß!Durch das Walzen gehärtet, wird dieses Band erneut mit dem Brenner erhitzt und zischend in die Wasserschale getaucht. Danach, von Daniela zugeschnitten und mit einem Ritzel nach Maß markiert.

Nun dürfen die Damen die erste Feinarbeit erledigen, und die Stoßkanten ihres Ringes gerade feilen, damit die Lötnaht so gerade und schmal wie möglich wird.

gezogener SilberdrahtGleichzeitig fädeln Viola und Jabeena ihre mehrfach gewalzten langen, von Daniela zugespitzten Stangen in eine Lochplatte am Ende einer Winde ein, um sie noch runder und dünner zu ziehen, bis der Golddraht der Tochter gerade noch drei Millimeter dick ist, der Silberdraht der Mutter fünf.

Unterdessen richtet Daniela den Mittagstisch. Köstliche Bruschette als Vorspeise, ganz ausgezeichnete Spinat-Lasagne als Hauptgang und zur Krönung des Ganzen zarte Panna Cotta mit Kokosmilch an – natürlich ebenfalls – selbst gerührtem Sorbet von geeisten Himbeeren, dekoriert mit Fächern aus gesponnenem Zucker!

Augenweide und GaumenschmausDie Damen genießen es sichtlich, sich hier dermaßen verwöhnen zu lassen.
Nach Espresso oder Milchkaffee geht es wieder ans Werk.

 

 

 

PunktgenauDie Stangen werden am Schraubstock rund gebogen und auf Maß gesägt. Die Bänder per Hand mit einer Spezialzange zum Ring geformt.
Nun trägt Daniela ein Fließmittel auf und lötet, kontrolliert durch die eigene Atemluft, den feinen Spalt zwischen den Enden zusammen.

ZiselierenDie Lötnaht feilen die Kursteilnehmerinnen eben. Nun werden die Ringe im Salpeterbad gereinigt, entfettet und leicht angeätzt, um dann auf Hochglanz poliert, gebürstet oder mit einem Metallwerkzeug mit vielen kleinen Nadelspitzen ziseliert zu werden.

pruefender_blick_goldschmiede_heiden_daniela_blachowski_saaboGewissenhaft prüft Daniela, ob die beiden Ovale für die Steinfassung, die ebenso gefertigt wurden wie die breiten Ringe, im richtigen Winkel zu den runden Ringen stehen, bevor sie auch die beiden von Viola und Jabeena lötet. Ein Fasser wird die Steine in den nächsten Tagen endgültig einsetzen.

FeinarbeitNachdem Britta, Petra, Christiane und Rita die Ränder ihrer Ringe erneut gefeilt und mit einem Kunststoffhammer auf einem konischen Ringeisen noch einmal gefestigt und geglättet haben, weitet Daniela nun die äußeren Ränder auf dem Amboß mit Hammer und Kugeleisen, bis Ritas und Brittas beweglichen Ringe nicht mehr vom großen Ring herabrutschen und die breiten, im Kontrast zu den unteren gearbeiteten fest mit diesem verbunden sind.

UnikateVoller Stolz und sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und dem gesamten Tag strahlen die fünf mit ihren Ringen, an denen sie sich gar nicht satt sehen können, um die Wette. Diese Ringe werden ihnen immer viel mehr wert sein als das Silber und Gold, das sie enthalten.

„Hier wech“, Ausgabe 1, „Von Hand“
Goldschmiede Heiden, Frau Daniela Blachowski
Text: Sabine Hergemöller / Photos: Sabine Hergemöller

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