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Saint Malo

Hinter den gewaltigen Mauern der alten Korsarenstadt schmiegen die gelben Sandsteinhäuser sich zusammen zu engen Gassen. Ich werde nahezu erschlagen von dem alles beherrschendem Geschrei der Möwen und von der heißen Luft, die sich wie Öl auf meinen Atem legt.
Menschen sehe ich kaum durch die Gassen gehen in meiner Erinnerung, obwohl sie dort waren, in reichlicher Zahl.
Nur die Möwen höre ich beständig lärmen.

Die Gassen öffnen sich und dort, im gleißenden, grellen Sonnenlicht des Platzes, liegt unvermutet St. Vincent, die mächtige Kathedrale. Hochragende Gotik mit schweren Portalen.

Ich trete ein. Und augenblicklich umfängt mich kühle Stille und Ruhe breitet sich aus in mir.

Fast magisch fängt das Licht meinen Blick. Schräg fällt es durch die Fenster, erst klar in blau, dann grün. Ich schreite durch den farbigen Schleier in Richtung Altar, immer wärmer werden die Farben, bis hin zum Chor, wo sich ein rotes Feuermeer ergießt aus Licht im Mandala der gläsernen Rosette.

Lange stehe ich und sauge mich voll und lasse mich durchströmen von Farbe, Licht und kühler Stille. Hier waltet keine Zeit.

Viel später erst, als die Sonne sinkt, trete ich wieder hinaus. Und da sind sie wieder, die Schreie der Möwen, die spätnachmittägliche Hitze.
Doch in mir trage ich diese Kühle, diese Stille, diese Farben des Lichts.

 

 

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